Brandenburg

Wanderung durch die Mark-Brandenburg © Hildegard Ochse 1990

Wanderung durch die Mark-Brandenburg © Hildegard Ochse 1990

»Wanderung durch die Mark-Brandenburg«
Im Frühjahr 1990 macht sich Hildegard nach der dem Fall der Mauer auf den Weg in Richtung Brandenburg. Sie besucht u.a. Potsdam, die Stadt Brandenburg, Werder an der Havel. Entstanden ist, eine Werkgruppe aus 32 Fotos, sie zeigt die bedrückende Stimmung der Menschen im Land Brandenburg. Es werden Straßensituationen dokumentiert, Einwohner, die ihrer täglichen Beschäftigung nachgehen. In der Warteschlange vor einem HO-Geschäft warten, Landschaften und Häuser, wie es sie heute nicht mehr gibt. In wenigen Bildern hat der Einfluss des Westen bereits Einzug gehalten. Noch sieht man aber Kinderwägen vor den Geschäften auf dem Gehweg abgestellt, bis dato hatte keiner Sorge, dass sie weggeschoben werden. Die Welt scheint stehen geblieben zu sein. Der Putz bröckelt von der Fassade, die Kohle liegt auf der Straße, die Fischer fischen in der Havel und die Fähre läuft nicht aus dem Ruder. Hildegard fühlt sich in diesem Land und der Situation, die sie vorfindet in ihre Jugend zurückversetzt, wie sie in einem Brief später schreibt. In einer Zeit, wo es am Ende des Zweiten Weltkrieg auch in Bad Salzuflen lange Zeit an vielem fehlte und die Menschen vor den Geschäften Schlange standen, wenn es etwas zukaufen gab. In einer Zeit, in der Autos noch Luxus waren, derjenige glücklich war, der ein Fahrrad hatte, um sich fortzubewegen und Wohnraum Mangelware war aufgrund der vielen Vertriebenen und Flüchtlingen aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches von dem nur noch der Name; Reichsbahn und die Dampflokomotiven daran erinnert. An Hausfassaden sah sie die Beschriftungen aus Vorkriegstagen, die Straßen mit Kopfsteinpflaster belegt, die Gehwege meist nur Sandwege. Die Luft roch nach Schwefel aus den Kohleöfen und den bläulichen Abgaswolken der Zweitakter Motoren. Vor den Häusern lagen Berge von Braunkohlebriketts zum Heizen der maroden Gebäude, sie wurden dort vor der Tür geschüttet, geliefert wird bis Bordsteinkante. Die Bewohner mussten sich die Kohlen mühsam mit Blecheimern von der Straße in die Wohnstuben holen. Auf den Ackerböden sah man Bauern mit Pferden das Feld umpflügen und die Feldfrüchte mit Pferdegespannen zur Sammelstelle brachten.