Jerusalem

Jerusalem © Hildegard Ochse 1995

Jerusalem © Hildegard Ochse 1989

»Jerusalem«

Die Unbestechlichkeit ihres photographischen Sehens, gepaart mit echter unsentimentaler Anteilnahme prädestiniert die Meisterin des unwiederbringlichen Augenblicks zu einem groß angelegten Bildbericht.

Ihre photographischen Notizen sind Ansichten, Einblicke und menschliche Begegnungen, die lose aneinandergereiht uns Jerusalem, Israel und die Einwohner ungeschminkt, unmittelbar und ohne den überflüssigen Ballast durch womöglich missverständliche Interpretationen zeigen. Hildegard Ochses klare fotografische Dokumentationen können gut auf Begleittexte verzichten.

Ihr Auge war hellsichtig, unmittelbar erfassend das Wesentliche erfassend, einer Situation oder einer Persönlichkeit bewundernd, ob nun Gebäude, Kinder, Händler, Soldaten, Siedler oder Gläubige. Es gibt kein Bild, welches nur die Masse zeigt, höchstens eine Gruppe, und das aus einer mittleren optischen Distanz, die wohltuend wirkt.

»In Jerusalem reden die Steine: die gleichmäßig behauenen Steine der Häuser, die im Licht der Abendsonne golden leuchten. … Die Steine von Jerusalem reden in vielen Sprachen und fast immer in der Sprache des Betrachters, dessen religiöse oder wissenschaftliche Überzeugung sie zumeist bestätigt.«

vgl. Nachum Tim Gidal, Jerusalem, In 3000 Jahren, 1995, Köln, S. 8, Jerusalem – Die ewige Stadt

Die Reisefotografie spielte von Anfang an eine große Rolle in den Arbeiten von Hildegard Ochse. Hildegard entwickelte sie im Laufe ihres künstlerischen Schaffens stetig weiter. Die ersten bemerkenswerten Werke entstanden 1952 mit 16 Jahren auf dem Weg in die USA. Höhepunkt ihres Schaffens in zuvor genannt Genre ist eine Reisedokumentation aus Israel, die zu ihren letzten Arbeiten gehört. Die Bilddokumentation versammelt szenografische Momentaufnahmen und Ansichten von Jerusalem und Umgebung mit ihren Menschen in all ihren Facette. Hierbei knüpft Hildegard Ochse stilistisch an die Tradition der Reisefotografie an. Damit nahm sie weder den Blickwinkel einer Journalistin, einer Ethnologin und Erstrecht nicht den einer bloßen »Sammlerin« von Denkmälern und Sehenswürdigkeiten ein. Ihr Interesse galt der Beobachtung menschlichen Lebens. Statt eine umfassende Fotodokumentation Israels zu zeigen, versuchte sie mit großer Eindringlichkeit eine Einheit ihrer Perspektiven und Tatsachen des Alltags wiederzugeben.